Heute ist mir nicht nach Schreiben, sondern nach Treibenlassen, Antworten und ein Tabu brechen. Auf den hinteren Seiten der Vogue-Ausgabe stellt stets eine bekannte Persönlichkeit Fragen an die Leser und es gibt dazu keine Antworten. Die Rubrik lautet: Fragen ohne Antwort. In der Juli Ausgabe machte diese Bruno Frisoni - Schöpfer phantastischer Schuhkreationen, die Kate Moss und Charlotte Gainsbourg tragen. Also wage ich mich einfach mal in das Nest der Fragen…
Hätten Sie sich gern in doppelter Ausführung?
Nö. Wäre manchmal vielleicht ganz praktisch, aber eine von mir reicht.
Sind Sie lieber mit Männern oder mit Frauen zusammen?
Mit beidem. Das kann ich so nicht konkretisieren. Ich habe jedoch mehr weibliche Freunde, wenn Ihnen das vielleicht weiterhilft.
Was treibt Männer an?
Die Fortpflanzung.
Was treibt Frauen an?
Kleidung und Schuhe. (lacht.) Na nun habe ich ja jegliche Klischees bedient, die es gibt. Ich denke, es ist immer individuell auf jeden Menschen abgestimmt. Jeder verfolgt seine eigenen Ziele und Ideale und bieten so den passenden Treibstoff.
Was würden Sie unternehmen, wenn Sie Ihr/e Lieblingskünstler/in einen Abend für sich hätten?
Wein trinken, erzählen, Wein trinken, erzählen und irgendwann den Sonnenaufgang gemeinsam genießen.
Welche drei Begriffe bringen Ihre politische Einstellung auf den Punkt?
Soziale Gerechtigkeit, Umweltbewusstsein, Frieden.
Lesen Sie in Zeitungen lieber den Sport- oder den Kulturteil zuerst?
Den Kulturteil - die Literaturseite natürlich.
Gibt es ein Jahr, das Sie gern wiedererleben möchten?
Eigentlich schaue ich ja lieber nach vorn, doch heute noch zwickt es mich in meinem Bauch, wenn ich an meine drei Wochen Sprachreise in England zurückdenke. Die Zeit dort hat mich sehr, sehr glücklich gemacht.
Wann kommt ihr wahres Ich zum Vorschein - wenn Sie ein Abendkleid tragen - oder Jeans? Je nach Stimmung. Wissen Sie, es gibt Tage, da fühle ich mich wie eine Madame grande und es gibt Tage, in denen mag ich es eher sportlich. Spricht wohl für eine Vielseitigkeit. Doch insgesamt kann ich schon sagen, dass ich eher zum Abendkleid tendiere. Ich mag es gern glamourös.
Auf welches Körperteil schauen Sie bei anderen als Erstes?
Auf die Hände. Sie sagen viel über einen Menschen aus.
Wie weit würden Sie gehen, um in den Besitz eines begehrenwerten Paars Schuhe zu kommen?
Es mag Sie vielleicht enttäuschen, Herr Frisoni, aber Schuhe wecken in mir keine allzu großen Jagdinstinkte. Von daher kann ich Ihnen auf die Frage keine konkrete und ehrliche Antwort geben.
Würden Sie Rot mit Rosa kombinieren?
Das kommt ganz auf die jeweilige Nuance der Farbe an. Wenn beides stimmt, warum nicht? Aber lieber dezent und verspielt, denn auffällig sind die Farben ja schon so.
In welchem Moment war Ihnen zum letzten Mal bewusst, dass Sie ein Glückspilz sind?
Heute.
Warum arbeiten Sie?
Um glücklich zu sein, Geld zu verdienen und für die Selbstverwirklichung.
Was kann Geld Ihnen geben?
Befriedigung und Sicherheit.
Ihr erster Tag in einer aufregenden neuen Stadt: Laufen Sie mit oder ohne Plan?
Ohne natürlich. Ich lass mich gern überraschen und vor allem treiben.
Ekeln Sie sich vor Tauben?
Ja. Ich meine die Grauen unter der Brücke, bei denen man ständig Angst hat, dass sie einen auf den Kopf scheißen. Eigentlich sind das auch ganz normale Lebewesen wie du und ich. Die weißen Tauben hingegen mag ich, vor allem wegen der Symbolik für das sie stehen: Frieden.
Besuchen Sie gern historische Plätze?
Ja. Mit Hand und Fuß. Selbst heute noch berühre ich das Brandenburger Tor, wenn ich hindurchlaufe und spüre die Gänsehaut.
Es hat mir eine große Freude bereitet und würde gern das Stöckchen an Ada Mitsou und Bonafilia weiterreichen.


